27.08.20 – Film “Die letzten Zeitzeugen” – 19:30 Uhr

Was geht mich das heute noch an?

Wir reisen in die Erinnerungen von Menschen, die noch aus eigener Erfahrung von der Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs berichten können. Ohne auf konkrete gegenwärtige Ereignisse zu verweisen, wird klar, dass das damalige Geschehen heute brisanter und aktueller erscheint denn je.

Die Brüder Günther und Heinz Barisch sind sich oft nicht einer Meinung. Doch wenn es um ihre Heimat geht, leuchten beider Augen gleichermaßen. Das kleine Städtchen Zülz heißt heute Biała und gehört seit Ende des Zweiten Weltkrieges zu Polen. Für Heinz und Günther ist es jedoch der beschauliche oberschlesische Ort geblieben, welchen sie vor knapp 75 Jahren verlassen mussten. Die Filmemacher Michael Kalb und Timian Hopf begleiten die beiden Senioren auf eine Reise in die Vergangenheit und besuchen mit ihnen die Orte ihrer Kindheit. Doch was passiert, wenn mit den Menschen auch die Erinnerungen an damals sterben? Neben den Gebrüdern Barisch interviewte Kalb 35 weitere Zeitzeugen, die noch aus eigener Erfahrung von der Zeit zwischen 1920 und 1950 berichten können. Wie ein Mosaik aus
Erinnerungen soll „Die letzten Zeitzeugen“ die Grausamkeit und Widersprüche des “Dritten Reiches”, das Chaos nach Kriegsende aber auch den Alltag und manche Lichtblicke dieser Zeit greifbar machen. Mit dem Wissen um die Hintergründe dieser unmenschlichen Zeit erzeugt gerade die Unreflektiertheit mancher Zeitzeugen ein noch größeres Unbehagen.

Schon wieder was über die Nazizeit ?!

Schon wieder was über die Nazizeit?“ oder „Was geht mich das heute noch an?“ – auch wir, Jahrgang 1989 und 1986, haben uns dies gefragt. In einer Zeit des erstarkenden Nationalismus müssen wir über unsere Erinnerungskultur entscheiden. Die Zeitzeugen, die den Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg noch persönlich erlebt haben, sterben. Umso wichtiger ist es, dass wir diesen Menschen noch einmal genau zuhören. Wir sollten aus ihren Erfahrungen lernen, ihre Geschichten am Leben erhalten und diese aber auch kritisch hinterfragen. Mit diesem Film blicken wir durch das Schlüsselloch auf viele persönliche Erinnerungen und möchten eine Vielzahl an Anknüpfungspunkten liefern, an den Erlebnissen der Zeitzeugen teilzuhaben. Wir möchten die Zuschauer anregen, über den Bezug des Erzählten zu unserem heutigen Leben nachzudenken. Vielleicht werden auch einige nochmals intensiver mit der alten Oma, Tante oder Nachbarin sprechen und ihnen zuhören. Das ist das Beste, was passieren kann, damit Geschichte lebendig bleibt. Die sympathischen und unterhaltsamen Brüder Günther und Heinz Barisch sind nicht die alleinigen Protagonisten des Films. Auf unserem viertägigen Roadtrip nach Oberschlesien begleiten wir die beiden durch Höhen und Tiefen ihrer Jugend und finden Parallelen zu den vielen anderen Geschichten der Interwieten. Am Ende entsteht ein Mosaik aus traurigen, unbeschwerten und skurrilen Erinnerungen aus der Zeit vom Anfang bis zum Ende des Dritten Reiches. Eine Zeit, die hoffentlich nie wiederkommt.

Trailer

Eintritt: 6 €€ VVK / 8 € AK

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